Dr. med. Clive Wilder-Smith
Gastroenterologe

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Bereich Magen-Darm

Ich sehe täglich Patienten mit Bauchbeschwerden in meiner Praxis. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Blähungen, Nausea, Durchfall oder Verstopfung. Häufige Erkrankungen sind ein Reizdarm (IBS), entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, SIBO und ‘leaky gut’), Nahrungsmittelintoleranzen, Gastritis, Gallensalzmalabsorption, leider auch Krebsarten. Die spannende Rolle der Ernährung und des Mikrobioms (Darmflora) wird in meine Beratung mit einbezogen.

Welche Magen-Darm Beschwerden sehen Sie am meisten in Ihrer Praxis?

Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung und Reflux sehe ich am meisten in meiner Praxis.

Wie zeigt sich ein Reizdarm?

Mit dem Begriff Reizdarm, oder Colon irritabile (IBS) werden wiederkehrende Bauchschmerzen mit Stuhlunregelmässigkeiten, d.h. Durchfall und/oder Verstopfung zusammengefasst. Es gibt eine Menge anderer möglicher Begleitbeschwerden. Typisch sind Blähungen und ein Blähbauch, Völlegefühl, Unwohlsein.

Ist ein Reizdarm das Gleiche wie das Leaky-Gut-Syndrom?

Mit 'leaky gut' wird eine gesteigerte Durchlässigkeit der Darmwand beschrieben, die v.a. bei Entzündungen nachgewiesen wird. Bei einem Reizdarm kann 'leaky gut' eine Rolle spielen, dieses ist aber nicht bewiesen oder nachweisbar bei jedem Reizdarm.

Und was ist ein Reizmagen?

Dies ist ein Begriff für Beschwerden, wie Völlegefühl, schnelle Sättigung oder Schmerzen im oberen Bauch nach dem Essen, wenn andere erklärende Erkrankungen bereits ausgeschlossen wurden.

Welche Beschwerden passen zu SIBO?

Die Beschwerden, welche in Zusammenhang mit der bakteriellen Überwachung des Dünndarms (SIBO) gebracht werden, entsprechen denen eines Reizdarms oder Reizmagens oder auch einer Nahrungsmittelintoleranz. Dieses sind sehr wahrscheinlich überlappende Syndrome, die mit einer gesteigerten Fermentierung und einem veränderten Mikrobiom (Darmflora) zu tun haben.

Sind Beschwerden ausserhalb des Darms auch wichtig in Ihrem Spezialgebiet?

Ja, diese sind in meiner Praxis äusserst wichtig und deren Erfassung ist massgebend bei meinen Patienten, die häufig zur Drittmeinung zugewiesen werden. Veränderungen auf der Haut, in den Gelenken oder Muskeln, in der Gehirn- oder Herzfunktion sind wichtige Hinweise bei der Suche nach Erkrankungen die den Magen-Darm betreffen. Sie sprechen für Prozesse, die nicht nur im Darm lokalisiert sind.

Was ist die Bedeutung der Darm-Hirn-Achse bei Magen-Darm-Erkrankungen?

Die Darm-Hirn Achse (Englisch: Brain-Gut Axis) bezeichnet die enge Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Darm. Das Mikrobiom, die Darmflora, kommuniziert ebenfalls innerhalb dieser Achse, weshalb von der Gehirn-Darm-Mikrobiom Achse gesprochen wird. Somit sind alle dieser Element bei Magen-Darm Krankheiten eng beteiligt. Diese betrifft Stress, Ernährung, Entzündung, Veränderungen der Darmflora u.A..

Nimmt die Häufigkeit von chronischen entzündlichen Darmerkrankungen zu?

Vor 50 Jahren waren chronische entzündliche Darmerkrankungen weniger häufig, aber man konnte sie auch weniger leicht finden. Die Risikofaktoren für diese chronischen Darmerkrankungen sind multifaktoriell, d.h. genetische und Umgebungsfaktoren spielen beide ein Rolle. Es gibt einige Hinweise, dass Veränderungen in der Zusammensetzung unserer Nahrung auch eine Rolle spielen könnten.

Was sind die häufigsten Ursachen einer Gastritis?

Eine Gastritis wird häufig bei einer Spiegelung festgestellt und ist nicht immer behandlungsbedürftig. Einfache Schmerzmittel, sog. nicht-steroidale Analgetika (NSAR) oder Aspirin, das Bakterium Helicobacter pylori und auch autoimmune Erkrankungen sehen wir häufig als Auslöser einer Gastritis.

Ist das Mikrobiom beteiligt an einem Reizdarm?

Das Mikrobiom ist an praktisch allen Funktionen des Darms beteiligt: Der Darmmotorik, der Nahrungs- und Kalorienaufnahme, Entzündungen, der Sensibilität, der Immunfunktion, u.Ä.. Die Einzelheiten der Funktion und auch die Definition eines normalen Mikrobioms sind noch unklar.

Was ist die Ursache von Divertikeln?

Divertikel sehe ich viel bei Spiegelungen, aber kurz gesagt, die Ursache von Divertikeln bleibt weiterhin unklar. Sie sind nicht wesentlich assoziiert mit einer Verstopfung. Wahrscheinlich spielt eine Bindegewebsbeschädigung bei Entzündung eine relevante Rolle.

Wie diagnostizieren Sie einen Reizdarm (IBS)?

Es gibt keine klinische Abklärung, die einen Reizdarm beweisen kann. Der gewissenhafte Ausschluss anderer Erkrankungen und Erfassung der typischen Beschwerden sind die Grundlage dieser Diagnose.

Wann ist eine Spiegelung hilfreich bei der Diagnose von Magen-Darm Beschwerden?

Ich verwende Spiegelungen zur Abklärung von Beschwerden, Alarmzeichen (wie Blutungen, Gewichtsverlust, intensive Schmerzen), Mangelzuständen und zur Vorsorge. Ich versuche unnötige Spiegelungen soweit wie möglich zu vermeiden.

Wie werden Nahrungsmittel-intoleranzen abgeklärt?

Die Anamnese ist für mich sehr wichtig und daher bin ich dankbar, wenn Sie meinen Fragebogen gewissenhaft ausfüllen. Die Bestätigung erfolgt mittels validierter Atemteste, gelegentlich durch Blutteste oder Proben die bei Spiegelungen entnommen werden.

Wie wird SIBO diagnostiziert?

Für die Diagnose einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) werden in der Praxis Atemtests verwendet, früher der Lactulose Atemtest, jetzt der Glucose Atemtest.

Wie gehen Sie generell mit Beschwerden des Magen und Darms in Ihrer Praxis um?

Die Identifizierung der Beschwerdeursache ist zur Auswahl der richtigen Behandlung wichtig. Deshalb sind gezielte Abklärungen vor einem Behandlungsvorschlag notwendig.

Wie behandeln Sie in Ihrer Praxis einen Reizdarm (IBS)?

Da viele Menschen mit einem sogenannten Reizdarm eigentlich an Nahrungsmittelintoleranzen leiden, werden diese in meiner Praxis zuerst abgeklärt und dann mittels Ernährungsberatung und ev. auch Probiotika behandelt. Ein Reizdarm wird mittels Lifestyle-Veränderungen oder Medikamenten (pflanzlich oder pharmazeutisch) therapiert. Diese Therapien müssen individuell abgestimmt sein.

Wie kann ich meine Darmflora verändern oder wieder aufbauen?

Das Mikrobiom des Darmes ist ein hochgradig komplexes und interessantes Forschungsthema. Konkrete und gezielte Massnahmen zur Veränderung der Darmflora sind noch nicht bekannt, aber Probiotika (gesunde Bakterienstämme) und Präbiotika (fermentierbare Zuckerketten wie Fructane) sind hilfreiche Ansätze.

Behandeln Sie eine sogenannte bakterielle Überwucherung des Dünndarms?

Wenn wesentliche Verdauungsbeschwerden bestehen, wie Blähungen, Bauchkrämpfe, oder Stuhlerveränderungen, können Probiotika versucht werden. Der Einsatz von Antibiotika kann bei einigen Patienten zu einer Linderung der Beschwerden führen, aber der Effekt ist meist vorübergehend. Die low-FODMAP Ernährung kann ebenfalls hilfreich sein.

Nahrungsmittel Intoleranzen

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind Auslöser von Magen-Darm Beschwerden und werden erstaunlich oft bei Abklärungen übersehen oder bagatellisert. Ca. 60% unserer Patienten mit der Diagnose eines sog. Reizdarms (IBS) haben tatsächlich eine Nahrungsmittel-bedingte Ursache für ihre Beschwerden. Typische Beschwerden sind u.a. Blähungen, Bauchschmerzen oder - krämpfe, Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung und Übelkeit . Bei Allergien oder einer sogenannten Histaminintoleranz (idiopathisches Mastzellaktivierungssyndrom, MCAS) kommen Beschwerden ausserhalb des Verdauungstrakts hinzu, z.B. Hautausschläge, Juckreiz, laufende Nase oder/und Schleim im Hals. Um Menschen mit Intoleranzen zu unterstützen, habe ich eine umfangreiche Plattform, basierend auf jahrelanger Erfahrung und neuester Forschung, geschaffen. Für mich ist ein wichtiger Startpunkt dem Patienten genau zuzuhören.